Sind Sie sicher?

Freitag 20. Januar 2012

Wussten Sie, dass Panzerglas mit nur drei Axthieben eingeschlagen werden kann und dass moderne Räuber gerade einmal 60 Sekunden brauchen, um Ihre gesamte Auslage leerzuräumen?

Kriminelle Verbrecherbanden in ganz Europa haben sich professionell organisiert und schlagen gezielt zu – dabei sind nicht nur alleine High-End-Juweliere im Visier der Räuber, sondern gerade auch die kleinen Läden, die häufig zu wenig gesichert sind. Die traurige Wahrheit ist aber, dass viele Juweliere diese unangehme Wahrheit nicht wahrhaben wollen und die drohende Gefahr verdrängen. Veraltete Alarmanlagen, unaufmerksames Personal und schlecht gesicherte Vitrinen und Schubladen sind aber sprichwörtliche Einladungen für Trickdiebe, Einbrecher und Räuberbanden. Der Sicherheitsexperte Dr. Peter Kleisinger meint: "Es gibt keine Insel der Seligen mehr!"

 

DERJUWELIER.at: Von Überfällen auf Juweliere liest man beinahe täglich in der Zeitung. Wie betrachten Sie die derzeitige Situation?

Peter Kleisinger: Der Anstieg der Kriminalität ist beängstigend. Die Täter sind sehr gut organisiert und sehr mobil. Wir bemerken auch einen zunehmenden Anstieg der Brutalität. Eine sichere „Insel der Seligen“ gibt es definitiv nicht mehr. Gleichzeitig sehen wir auf Seiten der Juweliere einen Fatalismus, der nicht notwendig ist, da wir sehr gute und wirkungsvolle Schutzmechanismen anbieten. Auf dem Sicherheitsstand von vor 25 Jahren zu verharren, kann im Ernstfall aber die Existenz kosten.

 

DERJUWELIER.at: Das hängt wohl auch mit einer falschen, unzureichenden, aber auch einer Unterversicherung fast aller Juweliere zusammen. Im Ernstfall wird der entstandene Schaden durch die Versicherung nicht zur Gänze oder gar nicht gedeckt.

Kleisinger: Wir schätzen sogar, dass 90 Prozent der Juweliere in Österreich unzureichend versichert sind und nicht die geringste Ahnung haben, dass sie auf tickenden Zeitbomben sitzen. Man muss nur einen Blick auf die Preisentwicklung bei Edelmetallen werfen, um zu verstehen, dass sich der Warenbestand aufgrund der veränderten Preisbedingungen bei fast allen Versicherten in den vergangenen Jahren praktisch verdoppelt hat. Policen müssen an solche Gegebenheiten angepasst werden, sonst gibt es bei der Nachbeschaffung böse Überaschungen.

 

DERJUWELIER.at: Wo lauern die größten Schwachstellen beim Juwelier?

Kleisinger: Eindeutig das schwächste Glied in der Kette ist die Eingangstüre zum Geschäft. Einbrecher nutzen zu 70 Prozent eine zu schwach gesicherte Eingangstüre, um sich Zutritt zu verschaffen. Bei Überfällen gibt es aufgrund unversperrter Eingangstüren keine Barriere für Räuber. Geringe Investi-tionsbereitschaft in neue Sicherungstechniken und schlecht geschultes Personal sind ebenfalls Risikofaktoren.

 

DERJUWELIER.at: Und an welchen Juwelieren beißen sich die Räuber die Zähne aus?

Kleisinger: Wenn folgendes erfüllt ist: optimale mechanische Sicherung, neueste Elektronik, aufmerksames Personal und ständige aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit.

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*



*